Aus der Ursprungsgeschichte
der Zange.
„
Werkzeuge ... erfüllen durch die fachmännische Bedienung
durch eine Arbeitskraft den Zweck, dem sie dienen
sollen. Also sind sowohl Werkzeuge wie Maschinen für die praktische
Betätigung
notwendig, weil ohne sie keine Arbeit bequem ausgeführt werden
kann. Alle mechanischen Einrichtungen aber sind von der Schöpferkraft
der Natur vorgeschaffen.“
Vitruvius, römischer Architekt
und Heeresingenieur in dem Kaiser Augustus um 25 v. Chr. gewidmeten
Werk "De architectura"
Die Zange ist, wie auch die Maschinen, also nach
Vitruvius bereits von der Natur erfunden und die Erfinder sind
eigentlich eher Finder.
Wann und wie die Zange erfunden bzw. gefunden, wurde ist schwer
nachzuvollziehen, denn sie taucht bereits sehr früh in der
Geschichte des Menschen und des Handwerks auf - lange bevor heute
noch erhaltene Funde oder Darstellungen ihr Vorhandensein bezeugen.
Erste Darstellungen der Handhabung von Federzangen
sind auf altägyptischen
Reliefs zu finden. Diese Zangen sind aus einem federnden gebogenen
Streifen gemacht. Diese einfachste Form der Zange nutzt man heute
noch im Sommer beim Grillen, im Eiskübel für coole Drinks
oder – meist bei weniger angenehmen Gelegenheiten - in Form
der Pinzette.
Spätbronzezeitliche Fundverbände auf
Zypern und in Griechenland bezeugen ebenfalls ihre Existenz.
Nachteilig für diese Zangenform ist, dass
die aufbringbare Kraft auf ein Werkstück nicht besonders groß ist.
Die an der Spitzen wirkende Haltekraft ist kleiner
als die aufgebrachte Handkraft. Erst die Erfindung der heute gebräuchlichen Zange
mit zwei in einem Gelenk gekreuzten Schenkeln brachte einen wesentlichen
Fortschritt:

Zweiseitiger Hebel |
Mit einer auf die langen Schenkel wirkenden Handkraft kann
bei entsprechendem Hebelverhältnis durch die Backen auf
der gegenüberliegenden Seite des Drehpunktes eine weit
größere Kraft auf einen Gegenstand ausgeübt
werden, als dies bei der einfachen Federzange möglich
war. Das Prinzip dieses zweiseitigen Hebels kann schon jedes
Kind auf der Wippe erfahren. |
Mit diesem Prinzip eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten
der Anwendung: Bald ging es nicht nur um Greifen und Halten, sondern
bald auch Schneiden. So entstand auch die Verwandte der Zange,
die Schere.
Gelenkzangen sind ab 1000 v.Chr. in Europa zu
finden und entwickeln sich speziell mit der Eisenbearbeitung. Entsprechend
ist ihre Darstellung
fast immer mit dem Schmied und seinen Göttern verbunden.
Homer schreibt im Illias darüber und Bildwerke
zeigen ihn in Stein und auf Keramik::
Den griechischen Gott Hephaistos als Schutzherrn
der Schmiedekunst. In Athen wird er zum Gott aller Handwerker und
gleichzeitig mit
Athene verehrt. Die Stellung des Schmiede- und Handwerkergottes
symbolisiert ferner die Bedeutung dieser Berufe – und damit
der Zange - in der antiken Wirtschaft.
Bei den Römern ist die Zange neben dem Hammer entsprechend
das Attribut ihres Feuer und Schmiedegottes, des Vulcanus. Auch
hier waren die Schmiede und ihre Kunst, die Ars Ferraria hochgeschätzt.
Waren sie doch Vorausbedingung für militärische und wirtschaftliche
Macht.
Mit den unterschiedlichen Anwendungen
entwickelten sich die verschiedensten Formen von Zangen.
War es doch für die Schmiede ein Leichtes, die für
sie passenden Typen zu gestalten. Sehr früh entstanden
spezielle Zangen für besondere Anwendungen:
-
Für Eingriffe der
Chirurgen und Zahnärzte.
-
Für die Munitionsherstellung
Gieß- oder Kugelzangen.
-
Waffeleisen für
das Backen im Feuer
|

Römische
Eisenschmiede auf einer Grabstele aus der 2. Hälfte
des 1. Jahrhunderts n. Chr.
|
Eine Vielfalt, die auch in der heutigen Zeit
noch typisch für Zangen ist:
Neben den vielen technischen Bereichen, wo immer neue technische Entwicklungen
immer neue Sonderformen verlangen, begegnen uns Zangen auch heute noch in vielfältigsten
Formen
- In der Zahnmedizin und -orthopädie
- In der Chirurgie
- Im Schmuck- und Juwelierhandwerk
- Im Labor
- In der Küche usw.
So ist die Entwicklung der Gelenkzange und ihren vielen Verwandten
neben der Erfindung des Rades aufgrund ihrer Tragweite und Bedeutung
mitbestimmend für den Fortschrift und die Industrialisierung
bis heute.
|